Mehr Tor als Tür

Türe und Toren sind seit jeher die Zugänge zu bestimmten Örtlichkeiten, die durch die verursachte Beengung, dem Raum dahinter etwas Besonderes verleihen. Das wird in vielen Fällen noch durch das entsprechende Äußere der Tore unterstrichen.

Hohes GartentorDies stellt sozusagen das psychologische Rückrad jeden Tores dar. Ganz egal ob Hoftor oder Gartentür, ob Gartentor oder Einfahrtstor. In dem einen Fall ist es das wertvolle, am Samstag stets gewaschene Auto, der ganze Stolz seines Besitzers, das sich hinter dem Garagentor verbirgt. Ebenso das Anwesen des Bauern, welches durch Gartentor und Hoftor geschützt ist, für das er seinen Lebtag arbeitet, dem er sein Leben gewidmet hat, sein wertvollster Besitz.

Auch der Garten ist, zumindest wenn er richtig gepflegt und bewirtschaftet ist, ebenso ein Glanzstück, oder zumindest etwas auf das man Stolz sein kann. Demzufolge möchte man auch hier Fremde fern halten und seine Gremzen aufzeigen. Mit einem Gartentor und dem dazu passenden Einfahrtstor gibt man fremden klar zu verstehen: Ich möchte nicht das Du hier unbefugt auf’s Grundstück kommst.

Auf der anderen Seite möchte man natürlich nicht Nachbarn und Freunde abschrecken. Deshalb gilt es bei bei Gartentoren und Hoftoren einen gesunden Mittelweg zu finden. Das Gartentor soll also auf der einen Seite einladend wirken, auf der anderen Seite aber auch abschrecken. Am einfachsten erreicht man das durch ein Gartentor, welches sich harmonisch in das Gesamtbild einfügt, aber über eine ausreichende Höhe verfügt, damit es nicht einfach überstiegen werden kann.

Macht offen Tür und Tor

Man sieht also, dass Türen in unmittelbaren Zusammenhang mit Besitz zu sehen sind. Besitz, den es wohl zu verteidigen, zumindest aber zu verstecken bzw. zu schützen gilt – oder aber dem eine besondere Wertung zugemessen werden soll, durch das besonders prachtvolle Äußere des Tores. Das gleiche Prinzip gilt auch bei den Haustüren. Was dahinter ist, ist erstens wertvoll, also darf es nicht für jeden zugänglich sein, zweitens – was eignet sich besser als idealer Schutz seiner angesammelten Reichtümer, egal ob ideeller oder materieller Art, als eine prächtige, gediegene Haustür, die dem Status des Besitzers in ihrer Wertigkeit entspricht oder zumindest einen solch wertigen Status symbolisieren soll.

Ganz offensichtlich macht es Sinn diese Werte, die es nun zu verteidigen, zu verbergen oder aber zu präsentieren gilt, in sinnvoller Weise zu schützen. Egal ob im heutigen Afrika oder im frühen Nordamerika, in Südostasien, wo auch immer auf der Welt man sich auch umsieht, nur in den westlich orientiert und geprägten Ländern finden sich heute eine solch massive Ansammlung von Toren und Türen.

Da häufen sich Gartentore, ein Hoftor neben dem anderen, die Gartentüren, die Einfahrtstore. Das gibt zu denken. Müssen wir uns wirklich immer so verschanzen? Wenn man sich die Statistiken der Einruchszahlen anschaut, JA! Wenn das Gartentor auch keinen Einbruch verhindern kann, so bietet es doch eine optische Abschreckung. Ist das Gartentor oder Einfahrtstor hoch genug, so dass es nicht einfach überstiegen werden kann, wirkt es sicher auch als Einburchschutz.

Macht auf die Tür, die Tor macht weit

Immer schon in der Geschichte der Menschheit strebten bestimmte Menschen oder Völker danach, sich Denkmäler zu bauen, die für die Nachwelt ihren Ruhm verkünden sollten. Waren es manchmal Obelisken, fanden sich mit der Zeit immer mehr Tore. Aus dem 6. Jahrhundert kommt das Ichtar Tor, die Porta Nigra stammt aus dem 12. Jahrhundert. Weitere Beispiele sind das Holstentor in Lübeck, das Karlstor in München oder der Hexenturm in Jülich. Auch das Isartor, ebenfalls in Bayers Hauptstadt, oder das Jerusalemer Tor in Bürdingen in Hessen.

Nachdem im Mitealter die Erfindung des Schwarzpulvers dazu führte, dass Stadttore einfach zum Einsturz gebracht werden konnten, verlor sich ebenso die strategische und militärische Bedeutung der Stadttore. In der Zeit der Prunkbauten des Dritten Reiches kam dem Tor als architektonische Idee wohl die größte Bedeutung seit geraumer Zeit zu. Albert Speer und Hitler konzipierten für ihre Germania ein riesiges Sieges- und Ehrentor in Berlin. Doch das Projekt versank schon beim Versuch „im Boden“.